Woche 35 / 2024

03.09.2024

Viele Gedanken, Gefühle und Emotionen verarbeiten. Wieder einmal befinde ich mich in dieser Situation. So viele schöne, bewegende Erlebnisse und Begegnungen sind es in den letzten Tagen gewesen.

Zusammen mit Bischof Fässler fuhren wir am frühen Mittwochabend ins untere Reusstal. An diesem Abend hatte ich den Gottesdienst in unserer Kirche im aargauischen Bremgarten auf dem Programm. Auch die Gemeinde Wohlen war eingeladen.     

Nicht nur ein wunderschönes Blumengebinde eines Herzens aus Sonnenblumen vor dem Eingang der Kirche, sondern auch die Geschwister heissen uns entsprechend willkommen. Die Hitze ist zwar etwas schweisstreibend, die Wärme der Liebe Gottes hingegen ist wohltuend und umfängt uns auch an diesem Abend. Das Orchester unterstreicht in schöner Weise das gewirkte Wort und lässt unsere Herzenssaiten erklingen. An diesem Abend tritt ein treuer Evangelist nach vielen Jahren des Dienens mit etwas über siebzig Jahren in den gesegneten Ruhestand. Die beiden Bezirke Zürich Nord-West und Zürich Nord-Ost wissen um meine Vorliebe für Schokolade und so werden mir am Ende des Gottesdienstes u.a. zwei grosse Schokoladeherzen mit dem darauf geschriebenen Dank der Geschwister überreicht.

Meine erste Sitzung im Stiftungsrat der Stiftung Humanitas steht am Donnerstag auf dem Programm. Zusammen mit einem weiteren Neumitglied werden wir in diesem Kreis herzlich willkommen geheissen. Die Wahl zum Stiftungsratspräsident anstelle des zurückgetretenen bisherigen Präsidenten Thomas Deubel hält gleich eine neue Funktion und Aufgabe für mich bereit. Ich freue mich auf diese verantwortungsvolle Tätigkeit.

In zwei Bezirken Spaniens steht mein letzter Besuch als aktiver Bezirksapostel vor der Tür. Vorfreude und eine leise Wehmut stehen im Herzen. Es ist ein Eintauchen in die südländische Atmosphäre mit ansteckender Freude, viel Enthusiasmus und sichtbarer Begeisterung für den Glauben.   

Mit der zur Gewohnheit gewordenen Verspätung hebt am Freitag das Flugzeug ab mit Ziel im südspanischen Málaga. Apostel Camenzind und Bischof Alganza empfangen uns. Hier soll am Samstagmorgen der Gottesdienst für den ganzen Bezirk Sur stattfinden.

Die Geschwister aus den Gemeinden Almeria, Fuengirola, Gibraltar, Granada, Jérez de la Frontera, Málaga, Ribera del Fresno und Sevilla treffen nach und nach ein.

Hola, ¿qué tal? (Hallo, wie geht es?) ¡Nos complace enormemente darle la bienvenida!  (mit grosser Freude heissen wir euch willkommen!)

Der Bezirkschor, der Kinderchor und das Instrumentalensemble haben vor dem Gottesdienst fleissig geübt und nun ertönen zum Lob und zur Ehre Gottes die wunderschönen Lieder und Stücke. Gekrönt werden die musikalischen Beiträge durch das Halleluja aus dem Oratorium «Der Messias» von G.F. Händel.

Dios obra en el momento justo - Iglesia regional España (inaee.org)

In diesem Gottesdienst dürfen vier Erwachsene und ein kleiner Junge die Gabe des Heiligen Geistes erhalten und damit Gotteskinder werden. Für die Gemeinde Sevilla darf zudem die erste Priesterin Spaniens ordiniert werden. Es ist ein grossartiges Freudenfest, der Abschied fällt nicht leicht. Doch die Reise geht weiter. Ein Erinnerungsbuch, vom Chor ein gläserner Flügel und eine wunderschön gestaltete Karte der Kinder sind die Geschenke, die ich als Erinnerung an den Bezirk Sur mitnehme.  

Wir dürfen den Hochgeschwindigkeitszug nach Madrid nicht verpassen. Es ist eine abwechslungsreiche Reise durch das Innere Spaniens.

Durchatmen können wir später. Es wartet eine Überraschung auf uns. Zumindest ich weiss nicht, was mich als Nächstes erwartet. Nach etwa vierzigminütiger Fahrt, die uns vom Bahnhof im Zentrum Madrids in die Umgebung führt, biegen wir ab auf eine unbefestigte Strasse, die uns zu einem Anwesen führt. Dort werden wir von unseren Geschwistern mit einem Willkommenslied erwartet. Ein sich ankündigendes Gewitter entfernt sich rasch wieder. Viele möchten ein Foto mit uns machen und so geht die Zeit wie im Flug vorbei. Jetzt wähne ich mich tatsächlich in Argentinien: Seit dem Mittag werden Rinderhälften am offenen Feuer gegart. Das traditionelle Barbecue Gericht «Asado» ist unser Nachtessen. No un asado cualquiera - Iglesia regional España (inaee.org)

Bis in den Abend hinein wird gespielt, fleissig miteinander diskutiert und gelacht. Später heisst es: Buenas noches. Que duerman bien. Nos vemos mañana en el servicio divino. (Gute Nacht. Schlaft gut. Wir sehen uns morgen im Gottesdienst.)

Was für ein Empfang vor unserer Kirche in Madrid! Die Jugend hält Blumenbögen, durch welche wir schreiten, während der Kinderchor uns mit Gesang willkommen heisst. Auch in Madrid ist es ein grosses Fest der Freude, das wir mit den Gemeinden Madrid, Villarrobledo und Zaragoza erleben können. Chor, Kinderchor und Instrumentalensemble singen und spielen in unsere Herzen. So kann man sich den Himmel vorstellen. Die Gemeinde wird durch Geschwister aus über zwanzig Nationen gebildet. Geistigerweise haben wir alle das Bürgerrecht im Himmel. 

Drei Kinder erleben das Sakrament der Heiligen Versiegelung. Ganz besonders bewegt uns das Heilige Abendmahl für die Entschlafenen. Ob sichtbar oder unsichtbar, wir bilden eine Gemeinde, die unter das gleiche Wort und die gleiche Gnade kommt. Als Geschenk wird mir am Ende des Gottesdienstes das gleiche T-Shirt überreicht, das auch die Jugendlichen haben. Es trägt die Aufschrift: «orar funciona - Dios nos une más allá de las fronteras» («Beten wirkt - Gott verbindet uns über Grenzen hinweg»).

Was für ein Feuer, was für eine Begeisterung! Muy hermosa! Adiós. Vuelve otra vez (auf Wiedersehen, komm wieder).

Más allá de las fronteras - Iglesia regional España (inaee.org)

Damit lege ich auch die spanische Liturgie endgültig zur Seite. Die Geschwister aber bleiben in meinem Herzen.