Drei Konfirmandinnen aus drei Gemeinden. Bischof Ruedi Fässler feiert die Konfirmation in der Gemeinde Wil

19.04.2026

Nehmt euch Zeit für das Gebet, nehmt euch Zeit für den Gottesdienstbesuch, nehmt euch Zeit, um mal in der Bibel zu lesen, nehmt euch Zeit, um euch mit Gott und Jesus zu beschäftigen. Wenn wir uns Zeit nehmen für Gott und Jesus, dann ist das ein öffentliches Liebesbekenntnis!

Noch bevor der Gottesdienst begonnen hatte, stellte der Bezirksvorsteher die drei Konfirmandinnen aus den Gemeinden Frauenfeld, Weinfelden und Samedan, der Gemeinde vor. Jede Konfirmandin hat dann ihren persönlichen Bibelspruch präsentiert und dazu ein paar Gedanken aus ihren Herzen zum Ausdruck gegeben. Dann erst hat der Gottesdienst mit dem Eingangslied «Herr Jesu, dir zu leben» begonnen.

«Ihr seid für uns Hoffnungsträger!» So hat Bischof Ruedi Fässler die drei Konfirmandinnen zu Beginn des Gottesdienstes angesprochen. «Durch das persönliche Bibelwort konnte man spüren, ihr wollt eine Beziehung aufbauen mit Gott und speziell mit eurem Vorbild Jesus Christus. Das ist eure Hoffnung, schlussendlich die ewige Gemeinschaft mit ihm zu haben. Und das ist auch eure und unsere Hoffnung – Jesus kommt wieder, so wie er es verheissen hat.»

Der Bischof hat erwähnt, dass er kürzlich ein Paar besucht hatte, welches das Eiserne Hochzeitsfest feiern konnte. «Bei einem solchen Besuch interessiert mich die Liebesgeschichte. Ich erfahre gerne, wie sich das Paar kennengelernt hat. Solche Liebesgeschichten sind immer sehr spannend. Als junger Bursche war er im Freibad und hatte sein Badetuch ausgebreitet. Dabei hatte er unter dem Tuch durchgeschaut und die junge Frau tat dasselbe gleichen Moment und die vier Augen begegneten sich. Das war Liebe auf den ersten Blick. Der junge Bursche hatte damals Tagebuch geführt über sein Leben und hatte an diesem Tag hineingeschrieben: Ich habe mein Glück gefunden! Nach 65 Ehejahren kann er sagen: Ich bin immer noch glücklich!»

«Ich wünsche mir für euch, dass ihr sagen könnt: Ich habe mein Glück gefunden. Wenn ihr heute Abend heimgeht, wenn ihr ein Tagebuch führt, schreibt es auf: Ich habe mein Glück gefunden. Das ist eine gute Voraussetzung, um eine Beziehung vertiefen zu können. Durch diese Beziehung zu Gott könnt ihr Gott erleben!»

Bischof Fässler hat ein Erlebnis aus einem Kindergottesdienst erzählt. Er hat die Kinder gefragt, wer ein Glaubenserlebnis erzählen kann. Ein Kind hat sich getraut und erzählt, dass er sich auf eine Prüfung hin fest vorbereitet hatte. Doch bei der Prüfung ist ihm ein Wort nicht mehr in den Sinn gekommen. «Lieber Gott, ich habe doch gelernt, lass mich an dieses Wort wieder erinnern.» Da schaute er aus dem Fenster und in diesem Moment fährt ein Lastwagen vorbei und auf der Blache steht dieses Wort, welches er wissen musste.

Wenn wir keine Beziehung zu Gott hätten, würde man sagen, das war Zufall. Aber wenn man Gott kennt, mit ihm auch durch das Leben geht, dann merkt man, das ist eine göttliche Hilfe, das ist diese Liebesbeziehung.

Das Bibelwort vom Stammapostel ist speziell für die Konfirmandinnen. Es steht im Matthäus 10.32: «Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel.»

Der Bischof stellte die Frage: «Was gibt euch die Sicherheit, was gibt euch den Mut, was gibt euch die Motivation, dass ihr euch öffentlich zu Jesus bekennen könnt? Diese Frage muss jedes für sich selbst beantworten. Aber Jesus will eine Liebesbeziehung zu uns. Er hat uns sein Versprechen gegeben: Du bist geliebt! Wenn du am Morgen in den Spiegel schaust, noch ungeschminkt, frisch aus dem Bett, dann denke daran, Jesus liebt dich! Man muss keinem Schönheitsideal und keinen Vorgaben entsprechen. Wir müssen uns nicht verstellen. Einfach so wie wir sind, genauso als Geschöpf von Gott: Jesus liebt mich so wie ich bin. Dieses Versprechen gibt euch Gott jeden Tag. Denkt daran, wenn ihr am Morgen in den Spiegel schaut. Dieses Versprechen gibt Gott uns allen. Das bedeutet für uns, dass wir nie allein sind.»

Der Bischof hat noch ein Erlebnis erzählt. Er durfte eine junge Glaubensschwester begleiten. Sie wurde in der Schule gemobbt und das hat sie sehr stark belastet. Sie suchte den Kontakt mit dem Bischof. Zusammen haben sie gebetet. Zwei Wochen später telefonierte sie dem Bischof und bedankte sich. Sie hat Gott erlebt, dass sie wirklich nicht allein ist. An einem Tag auf dem Schulweg hat sie diese Situation wieder sehr belastet. Dann dachte sie an das Gebet mit dem Bischof. In diesem Moment ist ein Linienbus vorbeigefahren. Auf diesen Fahrzeugen hat es manchmal Bibelsprüche. Da war auch einer auf dem Bus und darauf stand geschrieben: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11.28) Das Besondere war, dass auf dieser Strasse noch nie ein Bus vorbeigefahren ist. Das zeigte klar, wir sind nie allein. Der liebe Gott begleitet uns jeden Tag auf unseren Wegen. Jesus gibt uns sein Versprechen bei uns zu sein.

Jesus hat den Wunsch an uns, dass wir uns zu ihm bekennen. Wie können wir das machen? Indem wir Zeugen sind. Wir identifizieren uns mit Jesus Christus.» Der Bischof zeigte das Bild einer Fussballmannschaft auf. Eine Mannschaft identifiziert sich mit dem Trikot, das sie tragen. Wenn sie gewonnen haben, singen sie die erste Strophe der Landeshymne. Sie stehen dazu dann nahe zusammen. Das ist so berührend. Ihr tragt dieses «Trikot». Ich gehöre zu dieser «Mannschaft». Ich gehöre zur Braut Christi. Dazu stehen wir ganz nahe zusammen. Und wir dürfen erleben, Jesus steht am «Spielrand unseres Lebens» und freut sich.

Unser Bekenntnis soll ein Liebesbekenntnis sein. Der Bischof hat einen Pullover mitgenommen und ihn der Gemeinde gezeigt. Dieser Pullover wird bald 40jährig. Der Bischof konnte den Pulli bis heute nicht entsorgen, obschon er bereits ein Loch drin hat. Dieser Pullover schenkte ihm seine liebe Frau anlässlich ihrer ersten gemeinsamen Weihnachten. Einen Pullover stricken war nun nicht gerade das Hobby seiner Freundin damals. Sie hat viele Stunden eingesetzt um ihn zu «lismen». Ist das nicht ein gewaltiger Liebesbeweis? Nimm dieses Bild mit. Wenn man «lismet», dann nimmt man sich viel Zeit mit der Person, der man den Pulli schenken will. Nehmt euch Zeit für das Gebet, für den Gottesdienstbesuch, nehmt euch Zeit, um mal in der Bibel zu lesen, nehmt euch Zeit, um euch mit Gott und Jesus zu beschäftigen. Wenn wir uns Zeit nehmen für Gott und Jesus, dann ist das ein öffentliches Liebesbekenntnis.

Als musikalisches Zwischenstück spielte unsere Konfirmandin auf der Gitarre, eine Freundin spielte das Schlagzeug und eine Freundin sang: «You Say» von Loren Barton»

Der Bezirksvorsteher, Andreas Schachtner, erwähnte bei seinem Predigtbeitrag das Geschehen vom Schächer am Kreuz. Er hat sich zu Jesus bekannt und durfte unmittelbar die Liebe vom Sohn Gottes erfahren „Wahrlich, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“.

Er erwähnte auch, wie die Geschichte von dem vorgetragenen Lied «You Say» entstanden ist. Während Corona ist die Sängerin schwer erkrankt. Da hat sie sich der Musik gewidmet und dabei dieses Lied geschrieben. Und mit diesem Lied hatte sie grossen Erfolg. Die Sängerin Loren Barton singt christliche Lieder. In der schweren Zeit, als sie krank war, hat sie sich Gott zugewandt und ihre musikalische Gabe, Gott geschenkt. Sie bekennt Gott durch ihre Liedtexte und ist weltbekannt. Sie ist bekennende Christin.

Der Bezirksvorsteher gab uns den Rat, Jesus und Gott auf ganz natürliche Art zu bekennen. Er hatte am Vorabend dazu eine passende Geschichte gelesen. Da war in einem Laden eine Kassiererin. Sie hatte am Ohr ein Kreuz und der Kunde fragte sie, ob sie Christin sei. Sie verneinte. Da fragte er, warum sie denn dieses Kreuz trage. Die Antwort war: Weil es herzig ist und ihr gefalle. Der Kunde erkläre ihr: Das Kreuz ist nicht einfach «herzig». An diesem Kreuz ist Jesus gestorben. Dadurch bekennen wir uns zu Gott und zu Jesus. Wenn man ein Kreuz trägt als Kette oder Orhschmuck, dann wird man manchmal darauf angesprochen. Das sind Gelegenheiten, wo man dann über den Glauben sprechen kann, sich zu Jesus Christus bekennen kann.

Der Bezirksevangelist hat den Pullover noch ausgepackt und sagte: «Ich möchte ihn auch mal anfassen, den heiligen Pullover». Warum heilig? Weil dieser Pulli das Herz vom Bischof nach 40 Jahren immer noch berührt. Er ist ihm immer noch wertvoll. Das sind Liebeserlebnisse. Liebeserlebnisse mit Gott. Er fragte die Gemeinde: «Könnt ihr spontan ein Liebeserlebnis erzählen?» Den drei Konfirmandinnen gab er den Rat. Schreibt eure Erlebnisse mit Gott auf! Mit der Zeit vergisst man diese wieder. Wenn man sie aufschreibt, kann man sie wieder nachlesen und staunen, was man erlebt hat.

Nach der Sündenvergebung spielte der Organist «Lead Me, Guide Me». Anschliessend wurde der Brief von Stammapostel Schneider vorgelesen und im Anschluss trafen sich die Konfirmandinnen mit dem Bischof vor dem Altar Gottes. In seiner Ansprache an die Konfirmandinnen zeigte der Bischof ein Bild von einer Mutter. Sie lässt das Kind los, das nun allein mit dem Velo losfährt. Beide strahlen. "Wir lassen euch nun «los» und freuen uns für euch. Wir sind aber immer noch da. Eure Eltern und Seelsorger. Ihr könnt euch auch weiter auf Jesus verlassen."

Die drei Konfirmandinnen haben sich fest umarmt und gemeinsam das Glaubensgelübde aufgesagt. Nach der Segenshandlung hat die Jugend des  Bezirks Wil den Konfirmandinnen ein Geschenk überreicht und sie herzlich im Jugendkreis willkommen geheissen. Dann feierte die Gemeinde das heilige Abendmahl und als Abschluss spielten die drei Jugendlichen ein Musikstück «This I Believe».

Fotos und Bericht Juerg Hauser