Plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken

26.10.2022

Diesen praktischen Ratschlag gab Sirach vor rund 2200 Jahren. Bischof Reto Keller spannte im Gottesdienst die Brücke vom Lehrbuch Sirach zum Textwort aus 1. Petrus 5,7: «Und werft auf ihn alle eure Sorgen. Weil er selbst wird Sorge haben für euch.»

Das Chorlied "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt..." zu Beginn des Gottesdienstes war eine wunderbare Antwort auf das Textwort. Dann stach dem Bischof ein Smiley auf einem Notenständer ins Auge. Eines jener lächelnden kleinen Bilder, die uns heute im Alltag überall begegnen. Er stellte fest, dass, wenn man sich ärgern will, einem das stets gelingt. Dann stellte er die Frage, ob das auch gelte für "sich freuen wollen". Der religiöse Lehrer und Gottesmann Sirach bejaht dies in seinem Buch (Sirach 30,22) und ermuntert: "Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben. Ermuntere dich und tröste dein Herz." Leider ärgern wir uns oft schneller, als dass wir uns bewusst freuen. Ein strahlendes Smiley wirkt aber stets ansteckend. 

Als Zwischenstück trug ein Duo mit Gitarre und Bratsche das Lied "Smile" vor. Die bekannte Melodie von Charlie Chaplin stammt aus dem Film "Moderne Zeiten". "Lächle" erklingt in der Schlussszene des Films, als Chaplins Tramp und seine Gefährtin auf einer Strasse mit Optimismus einer harten Zukunft entgegengehen.  

Der Bischof ging noch näher auf den Begriff "Sorge" ein. Naheliegend ist die Belastung wenn man in schwierigen Situationen steckt, wenn Unsicherheit uns plagt und wir sogar Angst haben. Der Bischof erläuterte jedoch auch die positiven Seiten von Sorgen. Im Gegensatz zu belastenden Sorgen, denen wir uns eher passiv ausgesetzt fühlen, sind wir bei positiven Sorgen aktiv.

  • Bei der Vorsorge zum Beispiel bereiten wir uns bewusst auf die Zukunft vor. Sei es in materiellen Dingen oder indem wir unsere Seele auf die Zukunft vorbereiten.
  • Bei der Fürsorge kümmern wir uns aktiv um andere, die uns am Herzen liegen. Nicht aufdringlich, jedoch mitfühlend.
  • Wenn wir Sorge tragen, versuchen wir, das Gute zu bewahren und das Schlechte zu meiden. Das machen wir beispielsweise, wenn wir zu unserer Gemeinde und zu unseren Mitgeschwistern Sorge tragen, weil sie für uns wertvoll sind.

Darauf hatte der Chor wieder einen sehr passenden Hinweis mit dem Lied "Wirf dein Anliegen auf den Herrn ... und keiner wird zu Schanden, der seiner harret". Sowohl der Bischof wie die Gemeinde freuten sich, wie die Predigt und die musikalische Mitgestaltung so Hand in Hand gingen. Auch in diesem Gottesdienst lag eine unbändige Kraft, die die Seele berührte.